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weltwärts in Togo

„Wohin willst du gehen? Nach Togo? Was willst du denn dort? Und wo liegt das überhaupt?“ Mit diesen oder ähnlichen Fragen wurde ich häufig während der Vorbereitungsphase meines weltwärts-Jahres konfrontiert. Ich traf auf viele fragende und erstaunte Gesichter. Warum wollte ich also für ein Jahr nach Afrika?

Name:Isabella B.Einsatzstelle:ASTOVOT-00 Bildungs- und Kommunikationszentrum, Balanka, TogoInhaltliche Ausrichtung:Bildung

Eins stand nach dem Abitur von vorne herein für mich fest: Ich wollte noch nicht direkt studieren, sondern erst einmal eine Zeit lang etwas völlig anderes erleben. Ich wollte selbst aktiv werden und die Welt kennenlernen. Auch war es wichtig für mich, etwas Sinnvolles zu tun und in eine neue Kultur einzutauchen. Somit wurde ein kleines Dorf namens Balanka im Zentralosten Togos mein neues Zuhause für ein Jahr.

Die Hauptaufgabe von meiner Projektpartnerin und mir bestand darin, in der Bibliothek „Fernanda Warawoul de Balanka“ mitzuhelfen. Wir waren dort zuständig für das regelmäßige Durchführen von Kursen. Weiterhin halfen wir den Kindern in der Bibliothek bei ihren Hausaufgaben, beim Lernen, Lesen und Schreiben. Zudem konnten wir unserer Kreativität freien Lauf lassen und haben uns deshalb beispielsweise um das Stattfinden von Lesewettbewerben, Kultur- und Filmabenden gekümmert.

Eine weitere Aufgabe, um die man uns gebeten hatte, war die Mithilfe in der öffentlichen Oberschule des Dorfes (CEG Balanka), welche nicht genügend Lehrer besaß und somit Unterstützung bei uns suchte. Wir erklärten uns bereit, 4 Mal die Woche in der Schule unterstützend Englisch zu unterrichten.

Wenn ich im Nachhinein meine Einsatzstelle einschätzen sollte, würde ich sagen, dass ich mit keiner anderen Stelle in Togo hätte tauschen wollen. Doch zu Beginn meiner Arbeit in der Bibliothek war dies noch nicht meine Meinung. Ganz im Gegenteil, ich fühlte mich ziemlich orientierungslos und unterfordert. Die Bibliothekare versicherten uns, dass wir unseren Alltag dort so gestalten konnten, wie wir wollten. Doch ich hatte keinerlei Vorstellung davon, was von uns verlangt wurde und an was ich anknüpfen konnte. Schritt für Schritt erst gewöhnte ich mich an meine Aufgaben und lernte, mit der neuen Situation umzugehen. Zu dieser Zeit musste ich lernen, viel Geduld aufzubringen, um an mein Ziel zu gelangen.

Abschließend kann ich sagen, dass mir die Arbeit in der Bibliothek große Freude bereitet hat und ich viel dazugelernt habe. Die Bibliothek hat mir insgesamt reichlich Spielraum geboten, um meine eigenen Vorlieben und Interessen zu realisieren. Doch es war zum Teil ein langer und harter Weg, seine Ideen auch wirklich umsetzen zu können, da man von der Partizipation der Dorfbewohner stark abhängig war.

Auch der Unterricht in der Schule war eine völlig neue Herausforderung für mich. Man kann den Unterricht kaum mit dem in Deutschland vergleichen. Es ist schwer, sich als junge und weibliche Assistenz- Lehrerin in einer Klasse von 75 Schülern durchzusetzen. Denn oft wird nur auf den Lehrer gehört, wenn mit körperlicher Bestrafung gedroht wird. Zudem ist Lärm und Unruhe bei dieser Klassengröße vorprogrammiert. Es war also gewiss nicht immer leicht und auch für diese Aufgabe benötigte ich starke Nerven und Durchhaltevermögen. Doch ich bin dankbar über die zusätzliche Aufgabe in Balanka. Denn ich habe viele lustige und unerwartete Momente mit den Schülern verbracht, die immer sehr offen und humorvoll waren. Auch bot es einen völligen Kontrast zu den Freiheiten und der Kreativität in der Bibliothek. In der Schule musste ich mich streng an das vorgegebene Englischbuch halten und auch sonst war der Unterricht relativ geregelt. Genau dieser strukturierte Ablauf gab mir eine gewisse Sicherheit und Beständigkeit, was mir in der Bibliothek anfangs gefehlt hatte.

Meiner Einsatzstellenpartnerin und mir wurde in Balanka ein eigenes, großes Haus neben dem Wohngebäude unserer Gastfamilie zur Verfügung gestellt, wir teilten uns aber denselben Hof mit einem Brunnen. Wir lebten bei einer Familie mit 14 Kindern. Einerseits hatten wir Rückzugsmöglichkeiten in unserem Haus, aber andererseits war uns nie langweilig, da auf dem Hof immer etwas los war und wir somit inmitten des „Geschehens“ waren.

Natürlich war das Alltagsleben nicht ganz so komfortabel wie wir es in Deutschland gewöhnt sind. Um an Wasser zu gelangen, musste man es aus dem etwa 12 m tiefen Brunnen schöpfen. Weiterhin hatten wir im Dorf keinen Strom und mussten uns deshalb mit Lampen und Kerzen aushelfen.

Wenn ich jetzt an meine Gastfamilie zurückdenke, dann assoziiere ich sie mit folgenden Begriffen: Hilfsbereitschaft, Höflichkeit, Herzlichkeit, gegenseitiger Respekt, uneigennützig, Lebensfreude, hart arbeitend, keine Beschwerden, Kinderlärm, viel Geweine und Gelache, niemals einsam, Überraschungen, immer wieder ein neues Abenteuer...All das war in meinem Alltagsleben eingebunden und stellte einzigartige, authentische Erfahrungen für mich dar.

Was mich im Laufe der Zeit in Togo ebenfalls sehr fasziniert hat, war die Tatsache, dass dort zahlreiche Sprachen und Dialekte gesprochen werden, die sich zum Teil sogar von einem Nachbardorf zum anderen unterscheiden. Ich fand es erstaunlich, dass sich die Einheimischen aus den unterschiedlichsten Regionen trotzdem verstehen können. Auch fiel mir auf, das sich das Französische in Togo von dem in Europa unterscheidet. Mir gefiel die Variation und das „Kantige“ in ihrer Aussprache und ich hatte mich schnell mit dieser Sprachmelodie vertraut gemacht.

Während meines gesamten Freiwilligendienstes hatte ich nie Probleme mit meiner Partnerorganisation ASTOVOT, da wir uns bei Treffen oder Seminaren ausführlich austauschen konnten. Auch mit der Betreuung meiner Einsatzstelle war ich sehr zufrieden. Sie hatte immer ein offenes Ohr für mich bei Fragen und war stets bereit, auf Kompromisse einzugehen.

Rückblickend denke ich, dass ein kultureller Austausch zwischen den Menschen in Togo und mir stattfand. Ich hatte die Möglichkeit, ihren Alltag und ihre Lebensweise hautnah miterleben zu können. Aber auch ich konnte ihnen einen kleinen Einblick in die deutsche Kultur geben. Darüber hinaus habe ich sehr zu schätzen gelernt, was ich in Deutschland immer als selbstverständlich betrachtet habe (beispielsweise die Essensvielfalt, Internet, Waschmaschinen, fließend Wasser und Strom). Erst jetzt ist mir bewusst geworden, wie all dies unser Leben erleichtert und komfortabler macht. Ich will auch anderen Menschen diese Erkenntnis zugrunde legen, damit ihnen bewusst wird, dass nichts selbstverständlich ist.

Abschließend möchte ich noch einmal betonen, dass ich sehr dankbar bin, diesen Freiwilligendienst in Togo absolviert zu haben. Denn man erfährt nicht nur sehr viel über ein fremdes Land, sondern vor allem über sich selbst und über andere Menschen. Diese Zeit hat mich sehr geprägt und ich werde sie niemals in meinem Leben vergessen.

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.