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Mein Freiwilligendienst in Ecuador

Nach dem Abitur wusste ich nicht so richtig, was ich machen sollte. Es gibt einfach so eine große Auswahl! Von älteren Freunden und Verwandten hatte ich gehört, dass einige im Ausland als Freiwillige tätig waren. Nach einiger Recherche traf ich auf ijgd...

Name:LasseEinsatzstelle:La Perla - protected forrest in the province of Tsachilas, La ConcordiaInhaltliche Ausrichtung:Ökologie

... eine der wenigen Organisationen für mittelfristige Freiwilligendienste, die das Ganze nicht wie Reisebüros für viel Geld vermarkten (obwohl man trotzdem etwas zahlen muss). Mir persönlich wäre nämlich ein Jahr zu lange gewesen, deswegen haben die 5 Monate (+ 2 Monate privat Reisen) sehr gut gepasst.

Im Projekt selbst wohnte ich direkt neben meiner Einsatzstelle. Ich arbeitete im Schutzwald „La Perla“, einem der wenigen erhaltenen tropischen Regenwälder der amerikanischen Pazifikküste. Dort wohnte ich zusammen mit Jason, meinem Betreuer, und zu Beginn auch mit Ashlee, einer Freiwilligen aus den USA. Ashlee ist allerdings schon im Dezember wieder gegangen, wodurch ich meine restliche Zeit als einziger Freiwilliger in dem Projekt verbrachte. Im sauberen und ordentlichen Haus hat jeder ein eigenes Zimmer und es gibt ein Bad, das komplett den Freiwilligen zur Verfügung steht.

Ein typischer Arbeitstag sah bei mir wie folgt aus: Ich wache so gegen 7 Uhr auf. Die ersten Arbeiter kommen auch schon um 7. Wenn ich nicht von selbst aufwache, klopft Jason so ab halb 8 irgendwann gegen meine Tür, um mich zu wecken. Dann habe ich einem Baby-Brüllaffen, der im Haus geschlafen hat, was zu Essen und seine Milch gegeben und ihn dann zu den anderen rausgetragen, damit er möglichst lange draußen ist. Danach frühstückte ich, heute gab es Empanadas (das sind gefüllte Teigtaschen, ein typisches Gericht in Südamerika) mit Speck und Rührei. Ei gibt es in irgendeiner Form immer zum Frühstück, und wir frühstücken ziemlich viel. Nach dem Frühstück bereite ich dann das Essen für die Tiere vor (nur für die Affen, die essen als einzige zweimal täglich), also schnipple Obst und Gemüse und verteile es in Schüsseln. Dann bringe ich das Essen zu den Tieren, was auch noch ein wenig Zeit kostet, da ein Käfig ein gutes Stück weg ist. Manchmal hilft mir dabei Jasons Mutter, nachmittags eigentlich immer der kleine Junge von nebenan.

Wenn ich damit fertig bin, heute so um halb 9, fange ich dann an zu arbeiten; das heißt, ich helfe einem der Arbeiter bei dem, was er gerade tut. Das kann jeden Tag etwas anderes sein und hängt davon ab, was Jason mir sagt. Heute zum Beispiel haben wir angefangen, die Metallplatten für das Dach über den Toiletten auf die Holzplanken zu schrauben. Je nachdem, mit wem ich arbeite, mache ich so von 12 bis 2 Uhr Mittagspause, wobei diese Zeiten etwas lockerer gesehen werden, natürlich v.a. die, wann man weiterarbeiten muss. In die Pause gehen alle pünktlich. Heute gab es z.B. Fisch mit Kochbanane in einer Soße und dazu Reis (ein Mittagessen ohne Reis gibt es in Ecuador fast nicht). Dann arbeite ich nachmittags weiter, je nachdem, bis 4 oder 5. Dann bereite ich wieder das Essen für die Tiere vor, diesmal kommt aber mehr dazu, weil ich auch noch die anderen Tiere füttern muss. Manchmal bekomme ich dabei Hilfe (s.o.). Dann ist es meistens fast schon sechs Uhr und fängt schon an zu dämmern. Dann hole ich den Affen rein, kuschle vielleicht noch ein wenig, lege ihn ins Bett. Dann dusche ich mich, unterhalte mich ein wenig mit Jason (oder wir schauen einen Film o.Ä.), esse was und dann ist es eigentlich auch immer schon Zeit, ins Bett zu gehen.

Wie ihr vielleicht schon erkennen konntet, war mein Verhältnis zu Jason ein sehr entspanntes. Dadurch, dass jeder dem anderen von Anfang an mit dem nötigen Respekt entgegengetreten ist, hatten wir fast nie Probleme und auch oft interessante Unterhaltungen bis tief in die Nacht geführt.

Bevor ich meinen Freiwilligendienst begonnen habe, war ich schon einen Monat in Ecuador gewesen. Diesen hatte ich genutzt, um einen Sprachkurs Spanisch in Quito zu machen, um meine kaum vorhandenen Spanischkenntnisse aufzubessern. Das ist auch mein Tipp an euch, denn es hat mir sehr geholfen und ist essenziell für die Kommunikation mit der lokalen Bevölkerung, die größtenteils nur Spanisch spricht.

Ich war auch beim Vorbereitungsseminar der ijgd, was ich wirklich interessant fand und mich zum Denken angeregt hat. Allerdings solltet ihr nicht erwarten, dort genauere Informationen über die einzelnen Projekte zu bekommen (das könnt ihr alles im Internet nachlesen). Das Seminar regt mehr allgemein zur Sensibilität an, berichtet über Minderheiten, Rassismus, Sexismus und globale Zusammenhänge sowie Wirtschaftsinteressen. Außerdem werdet ihr sicher viele Gleichaltrige kennenlernen, die vielleicht sogar in dasselbe Land wie ihr wollen!

Bei Fragen vor Ort standen Jason und auch Virginia von der Fundación Chiriboga immer zur Verfügung, obwohl ich persönlich eigentlich nie irgendwelche Probleme hatte.

Die wichtigsten und auch schönsten Erfahrungen in meinem Seminar waren, dass ich ganz viele besondere Tiere wie Affen und Papageien hautnah erleben durfte und auch wundervolle Menschen kennenlernen durfte. Darüber hinaus ist Ecuador ein tolles Land, das relativ klein ist und doch so viel zu bieten hat, vom Amazonasregenwald über die Anden bis zur Pazifikküste und obendrauf noch die Galápagos-Inseln – nicht umsonst besitzt Ecuador die größte Biodiversität relativ zur Fläche gesehen.

Auch konnte ich mich selbst besser kennenlernen und habe Einblicke in verschiedenste Berufsfelder bekommen.

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.