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Liebe Leser*innen,

die Zeit, in der sich Menschen ein frohes Neues Jahr wünschen, ist nun endgültig vorbei. Wir haben uns längst an die beiden 20 gewöhnt und arbeiten daran, ein neues Jahrzehnt zu gestalten. Neuigkeiten? Ja, einige: Der Bundesverein hat eine neue Geschäftsführerin – Herzlich Willkommen Katrin Bäumler! Der Saisonstart der Workcamps steht an. Außerdem: Auszeichnungen, neue Projekte, Stammtischtermine, Leidenschaft und Engagement.

Eine sehr gute Lektüre wünscht,


Jakob Hermens
Öffentlichkeitsarbeit

AKTUELLES

Katrin Bäumler, neue Geschäftsführerin des Bundesvereins

Liebe ijgdler*innen, liebe Interessierte,

seit wenigen Wochen bin ich als neue Geschäftsführerin des ijgd Bundesvereins in Hannover tätig. Jeden Tag lerne ich nun die Menschen, Strukturen und Kontexte immer besser kennen. Ich bin berührt von der Leidenschaft der Ehren- und Hauptamtlichen, die in den Workcamps, den Freiwilligendiensten, den Gremien etc. spürbar ist.

Mit 15 Jahren habe ich selbst in einem Workcamp in Portugal ein Gewächshaus mitgebaut und bin seitdem begeistert von bürgerschaftlichem Engagement. Beruflich führten mich meine Wege von der Organisation von nationalen und internationalen Freiwilligendiensten über Fachkraftaustauschprogramme in der Mongolei bis zur Jugendverbandsarbeit in Deutschland. Privat wohne ich mit Mann und Kindern auf dem Land, erwandere die grünen Pfade der Hügel und Wälder ringsherum und tanze sehr gerne argentinischen Tango.


Bis bald,
Katrin

Workcamp-Saisonstart

Die erste Hälfte der Workcamps, die wir 2020 in Deutschland anbieten, ist inklusive Anmeldung online! In einem guten Monat dann stellen wir die internationalen Workcamps in unserer Vorschau vor. Um nichts zu verpassen empfehlen wir, euch in den folgenden Newsletter einzutragen

Stammtisch? Läuft.

Der Bonner ijgd-Stammtisch ging am 19. Dezember in die 3. Runde und ließ bei Weihnachtsstimmung und einem Glühwein einen schönen gemeinsamen Ausklang des Jahres zu. Die Stammtische bieten auch im neuen Jahr die Möglichkeit zum Kennenlernen und Vernetzen. Folgende Donnerstage können sich als Termine in Bonn vorgemerkt werden: 19. März, 18. Juni, 17. September und 17. Dezember 2020.
Alle Termine findet ihr hier.

Die Orga-Crews freuen sich auf den nächsten kreativen und gemütlichen Stammtisch mit Euch. Wenn Du Lust hast selbst einen Stammtisch zu etablieren oder Fragen hast melde Dich gerne:
ak.stammtische@ijgd.de

Um immer auf dem aktuellen Stand zu sein, tretet gern der Facebook-Gruppe bei!
 

Ausgezeichnet!

Die Jugendbauhütte Wismar wurde mit dem Denkmalpreis des Landes Mecklenburg-Vorpommern ausgezeichnet. Glückwunsch Richtung Wismar! Wir freuen uns sehr, dass die kontinuierlich gute Arbeit so gewürdigt wird.

Neues Projekt der Jugendbauhütten – Münzenberg 5

Das Gebäude gehört zum Ensemble der Häuser, die das ehemalige Marienkloster überbauen. Es entstand im 17. Jh. wurde aber im 20. Jh. noch einmal wesentlich umgebaut. Unter dem Haus Nummer 5 befindet sich ein Teil des westlichen Klosterbereiches.

Eigentümer ist die treuhänderische Ernst-Ritter-Stiftung, betreut durch den Spender Stifter-Service der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD). Ziel ist es das Haus zu sanieren und das Kellergewölbe dem Museum hinzuzufügen, das Teile des ehemaligen Klosters umfasst.

Unsere Freiwilligen arbeiten seit Mitte September mit vollem Einsatz an der Sanierung. In den vergangenen Wochen haben sie an der Entkernung des Hauses gearbeitet, den hofseitigen Anbau abgerissen und im Hofbereich geschachtet. Das ist harte körperliche Arbeit – ca. 60 m³ Schutt wurden per Eimer in die Container verbracht. Begleitet und angeleitet werden sie von Maurermeister Andreas Schael. Die Bauleitung/Koordinierung hat die qbatur Planungsgenossenschaft eG.

 

Freiwilligendienste for future

Am 29. November waren wir mit ca. 25 haupt- und ehrenamtlichen jgdler*innen auf der Klimademo in Berlin vertreten. Für einen gerechten und konsequenten Klimaschutz!

Abschied.

Nach langer und schwerer Krankheit verstarb am 6. Januar 2020 unsere Mitarbeiterin Constanze (Conny) Spranger. Conny war seit November 2005 in der Geschäftsstelle Hildesheim beschäftigt. Sie unterstützte uns in verschiedenen Aufgabenfeldern der Verwaltung und des Jugendgästehauses. Viele schöne und kollegiale Momente werden uns in Erinnerung bleiben.

 

SEMINARVORSCHAU

Aktuelle Workshops und Seminare

Ausbildungsseminare für Workcamp-Teamer*innen

Gruppenfeeling Schneesatt // Ausbildungsseminar im Harz mit dem besonderen Aspekt „Soziales Führen von Gruppen“ / 24.02. - 01.03.2020

Meer Gemütlichkeit // Ausbildungsseminar in Bunde, Ostfriesland mit dem besonderen Aspekt Achtsamkeit / 16. - 22.03.2020

Alle Termine findest Du hier.


Ausbildungsseminare für Teamer_innen in Langzeitdiensten
Für Teamer_innen der Langzeitfreiwilligendienste bieten wir 2020 wieder Ausbildungsseminare an
Seminarprogramm 2020

Das nächste Seminar:
23. - 29.03.2020 / Tettenborn / Anmeldefrist 13.03.2020
 

TERMINE

19. Märzijgd-Stammtisch in Bonn
Anmeldung
 
24. bis 26. Aprilijgd-Jahresplanungstagung
Save the Date

 

EINBLICKE – Freiwillige der ijgd berichten

Eric Oelsen (18) aus Nordrhein-Westfalen leistet seit September 2019 einen 12-monatigen Internationalen Jugendfreiwilligendienst auf der Insel Iwaishima in Japan. Die Insel befindet sich etwa 800 km südwestlich von Tokyo in der Präfektur Yamaguchi. International bekannt ist die Insel für den fast vier Jahrzehnte währenden bürgerschaftlichen Protest der Bewohner*innen gegen den Bau eines Atomkraftwerks in der Bucht, in der die Insel liegt.

„Nachdem ich nach einer zwischenfallslosen Reise an der Hiroshima-Busstation ankam, wurde ich freundlicherweise von meinem Einsatzstellenleiter erwartet. Auf der darauffolgenden dreistündigen Reise nach Iwaishima konnten wir aufgrund meiner Müdigkeit leider keine ausführliche Unterhaltung führen. Ich war aber sehr glücklich darüber, mich nicht allein in den japanischen Straßenbahnen und Bahnhöfen zurechtfinden zu müssen. Die letzte Stunde der Reise verbrachten wir auf dem kleinen Boot, welches die Inseln in der Region Kaminoseki miteinander verbindet. Hier sah ich zum ersten Mal die unglaublich schöne Landschaft der Region, die mich jetzt noch überrascht.
Die ersten Tage nach meiner Ankunft waren so aufregend wie erwartet. Ich habe in kürzester Zeit den Großteil der Personen kennengelernt, mit denen ich bisher engeren Kontakt hatte. Zum Beispiel beim Abbau eines Stadtfestes. Dort arbeitete ich direkt mit vielen zusammen und gab mir Mühe, trotz der erschwerten Kommunikation so hilfreich wie möglich zu sein.

Um meine Aufgaben und mein bisheriges Leben hier verstehen zu können, muss man mehr über Iwaishima wissen. Auf der Insel leben momentan nur 350 Menschen, von denen ungefähr 80% über 70 Jahre alt sind. Aufgrund der geringen Anzahl an Bewohner*innen und des fortgeschritten Durchschnittsalters ist die Gemeinschaft ein wichtiger Teil des alltäglichen Lebens. Es gibt auf der Insel zwei Babys, fünf Kinder und circa dreißig Personen im Alter von 19–35. Die übrigen Bewohner*innen sind im Senior*innenalter. Obwohl diese für ihr Alter erstaunlich viel arbeiten, werden die anfallenden Arbeiten meistens von den Jüngeren erledigt.

Ich wohne in einem kleinen Haus am Rande des Dorfes. Das Haus gehört meiner Betreuungsperson, der mit seiner Frau und seinen zwei Kindern zwei Häuser weiter lebt. Ich habe einen langfristigen Mitbewohner, mit dem ich mich sehr gut verstehe. Außerdem leben ab und an Gäste und Freund*innen in unserem Haus. Mein Mitbewohner arbeitet auf einem Fischerboot, aber hilft oft auch mir. Obwohl das Haus klein ist, habe ich mein eigenes Zimmer. Die Toilette sowie das Bad sind traditionell japanisch. Wir füllen die Wanne mit Wasser und entzünden unter ihr von außen ein Feuer. Anfangs war mir diese Art zu baden zu heiß, sodass ich mich lieber mit kaltem Wasser wusch. Ich habe mich inzwischen daran gewöhnt und das abendliche heiße Bad lieben gelernt. Das Haus hat eine Küche mit Gasherd, jedoch kochen wir meistens draußen über offenem Feuer. Ich bin mittlerweile ziemlich geübt darin, Feuer zu machen und habe auch sehr viel Spaß daran. Gegessen wird meistens gemeinsam. Manchmal treffen wir uns im Haus meines Anleiters und essen mit der ganzen Familie. Zu essen gibt es meistens Reis und Gemüse von unserer Farm sowie frischen Fisch oder Oktopus. Ich bin jedes Mal überrascht, wie lecker und abwechslungsreich das Essen ist, obwohl wir fast ausschließlich selbst angebaute Zutaten verwenden. Unsere Nachbarin ist eine 80-jährige Japanerin, die uns oft Essen schenkt und sich auch sonst wie ein Teil der Familie um uns kümmert. Mit ihr verstehe ich mich sehr gut, obwohl ich es bedauere, mich nicht besser mit ihr unterhalten zu können. Dazu reicht mein Japanisch bisher noch nicht aus. Auf Iwaishima leben Menschen, die aus ganz Japan hierher gezogen sind, sowie die, die auf Iwaishima geboren sind. Ich komme also mit vielen Dialekten und Akzenten in Kontakt. Das erschwert zwar das Erlernen der Sprache sehr, aber es gibt mir auch die interessante Möglichkeit, viele japanische Dialekte kennenzulernen.

Ich arbeite nicht als Mitarbeiter eines Unternehmens, sondern als Teil der Gemeinde der Insel. Hauptsächlich helfe ich meinem Anleiter bei seiner Arbeit. Jedoch ist seine Arbeit sehr vielseitig. Er pachtete einen großen Teil des früheren Farmgebietes, welches genutzt wurde, als auf Iwaishima noch mehrere tausend Menschen lebten. Dieses ist über die Jahre verwildert und unbrauchbar geworden. Seit einigen Jahren macht er dieses Gebiet wieder nutzbar und baut darauf viele Nahrungsmittel an. Dabei helfen uns momentan eine Kuh und zwei Schweine. Diese werden nicht geschlachtet, sondern befreien die überwachsenen Felder von Unkraut und düngen gleichzeitig den Boden. Zu unseren täglichen Aufgaben gehört das Einsammeln des Bioabfalls der Insel. Anschließend sortieren wir den Abfall nach veganem und tierischem und füttern damit die Tiere. Neben dem Erweitern des Farmgebietes bewirtschaften wir natürlich auch die schon bestehenden Felder. Momentan haben wir zwei Sojabohnenfelder, ein Feld für Gemüse, zum Beispiel Tomaten, Rettich und Kartoffeln und zwei Reisfelder. Den Reis haben wir im November über den Zeitraum von ungefähr einer Woche geerntet. Diese 300 Kilogramm Reis werden für die Familie meines Anleiters, meinen Mitbewohner, mich und einige enge Freund*innen das nächste Jahr reichen. Außerdem kümmern wir uns um ein Feld voller Biwa-Bäume. Dieser auf Iwaishima stark verbreitete Baum wird für seine Früchte und seine Blätter als Tee angebaut. Meine Arbeit geht aber auch über die Feldarbeit hinaus. Alle helfen im Dorf, wo sie können, zum Beispiel bei den Vorbereitungen des monatlichen Marktes oder beim Transport von alter Fischerausrüstung. Um mich schneller in die enge Gemeinschaft einbringen und um Kontakte knüpfen zu können, arbeite ich auch als Hilfe bei anderen Farmern, auf Fischerbooten oder in der Biwa-Tee Fabrik.

Ein wirklich unvergessliches Erlebnis war der Ausflug zur Nachbarinsel mit der Familie meines Anleiters. Dort nahmen wir an einem traditionellen Fest teil, welches regional unter „Donden“ bekannt ist, aber in ganz Japan gefeiert wird. Am Vortag halfen wir schon beim Aufbau und der Verzierung des Gerüstes, dem Mittelpunkt des Festes. Dieses wird dann, mit vier trommelnden Kindern bemannt, auf den Schultern der Feiernden durch die Stadt und von Schrein zu Schrein getragen. Das enorme Gewicht des Gerüstes und das viele Bier, das an jeder Ecke feiernd überreicht wird, machen dieses Fest nicht ganz ungefährlich. Deswegen bin ich froh darüber, nicht einige Jahre zuvor mitgefeiert zu haben. Nicht allzu lange her (und in anderen Teilen Japans noch bis heute) wurden mehrere dieser Gerüste gebaut, mit welchen dann miteinander gekämpft wurde. Nachdem wir mit Mühen die Route abgelaufen waren, trafen wir uns alle, um das Fest mit einem leckeren Abendessen und weiteren Getränken ausklingen zu lassen.

Aber auch auf Iwaishima gab es ein paar besondere Highlights. Obwohl wir selbst keine Orangenplantage haben, war die Erntezeit dieser „Mikan“ ein kulinarisches Highlight. Der Fakt, dass es auf Iwaishima erstaunlich viele solcher Farmen gibt, sorgte gepaart mit der engen Beziehung der Inselbewohner*innen dafür, dass wir mehrere Kisten Orangen geschenkt bekamen. Diese „Nicht für den Verkauf geeigneten“ Orangen sorgten trotz ihrer äußeren Makel in den nächsten Wochen für sehr leckere Arbeitspausen. Als etwas schwieriger ist meine Beziehung zu den Insekten der Insel zu beschreiben. So hatte ich relativ schnell um die 30 Mückenstiche nur an den Füßen. Und das trotz Moskitonetz, Socken und langer Hose. Zum Glück hilft das heiße Bad erstaunlich gut gegen den Juckreiz. An die kleinen Tiere, die ab und an durch Haus flitzen, habe ich mich schnell gewöhnt. Das gehört dazu, wenn man mit offener Haustür lebt. Die Insekten bieten eine gute Überleitung zu den Spinnen. Davon trifft man auf den Feldern und den seltenen Ausflügen in den Wald viele. Das bereitete mich aber trotzdem nicht auf meinen handflächengroßen Zimmergenossen vor, der seit unserer ersten gemeinsamen Nacht, welche wir nur ein paar Zentimeter voneinander entfernt verbrachtem (Ein Hoch auf Moskitonetze), ab und an vorbeischaut.

Für die nächste Zeit hoffe ich, noch tiefer in die Gemeinde aufgenommen zu werden. Um das zu erreichen, muss mein Japanisch so gut werden, dass ich mit den Älteren, also dem Großteil der Population, Unterhaltungen führen kann. Bis dahin ist es zwar noch ein weiter Weg, aber ich merke auch, dass ich in den ersten zwei Monaten schon viel gelernt habe und ich hoffe, dass dieses Wissen meinen Lernfortschritt nochmals beschleunigen wird.“